| Der Neuhauser Zoigl - So fing alles an |
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Die
Geschichte des Neuhauser Zoigls begann der Überlieferung nach am
13. Dezember des Jahres 1415, am St. Lucien-Tag. Damals wurde der Bürgerschaft
von Neuhaus vom Landgrafen Johann III. von Leuchtenberg das Recht verliehen,
Bier zu brauen und auszuschänken. Nachträglich wurde dieses
Recht mit Konzessionsurkunde vom 25. September 1827 durch das Königliche
Landgericht Tirschenreuth beurkundet. Diese "rezidierte", also
verordnete "Braugerechtigkeit" betraf die Besitzer der Häuser
6, 7, 8, 10 bis 19 sowie 23 bis 35 und die Nummer 52.Am 5. August 1839 wurde eine distriktpolizeiliche Verordnung über das Brauen von Bier erlassen, die fünf Paragraphen umfasste. Unter anderem ist darin enthalten, dass jeder Brauende "nur gutes Bier zu brauen hat". Auf "strengste Einhaltung dieser Regulative wird rücksichtslos Bedacht genommen, besonders auf Mischung des Malzes und des Hopfens nach den gesetzlichen Vorschriften. Gendarmen und Gerichtsdiener haben überall, besonders bei den Schankwirten auf dem Lande, mit Sorgfalt die Qualität des Bieres zu erforschen, allenfalls über schlechtes Bier Anzeige zu machen. Da das Bier zu den notwendigsten Lebensbedürfnissen gehört, wird Strenge verfahren werden." Man sieht also, dass der Beruf des Gendarmen damals auch seine angenehmen Seiten hatte! |
| Das Brauhaus - das wichtigste Haus am Platz |
"As wichtigst Haus va ganz Neihaus des is und bleibt s' Kommunbräuhaus! Denn daou wiad zur gwissn Zeid unsa gouda Zoigl bräud."
Neuhauser Brauhaus seit 1876
Mit diesem launigen Vers beginnt das Gedicht über den Neuhauser Zoigl, das der ehemalige Vorsitzende des Männergesangsvereins "Harmonie" Neuhaus, German Gierisch, geschrieben hat.
Das jetzige Brauhaus in der Wurzer Strasse wurde 1876 erbaut. Es wurde beim großen Brand von 1887, der fast ganz Neuhaus einäscherte, verschont, und ist nach dem Einbau eines neuen Maischbottichs im Jahre 1924 und eines neuen Kühlschiffes im Jahre 1930 noch heute voll funktionsfähig.
"Malz -Die Seele des Bieres"
Echtes Holzfeuer...
...für die richtige Hitze
Hopfenzugabe
"Das über hundert Jahre alte Kommunbrauhaus ähnelt mehr einer Hexenküche als einer Brauerei" ist in einem der zahlreichen Zeitungsartikel zu lesen, die dem Neuhauser Zoigl gewidmet wurden. Unter dem Dach, zwischen mächtigen dunklen Holzbalken, stehen der Maischbottich und die blankpolierte Sudpfanne. Der süßlich würzige Geruch von Malz mischt sich mit dem Duft des Holzfeuers, das zum Erhitzen des Gebräus verwendet wird. Hier entsteht nicht nur einfach irgendein Bier; das Brauen gleicht einem Ritual, an dessen Ende ein ganz besonderer Saft steht, dem Kenner und Liebhaber sogar eine gesundheitsfördernde Wirkung nachsagen: Das Zoiglbier.
Brauanlage früher
Brauanlage heute
| Der Käck'n - Ein Braumeister aus Leidenschaft |
Von 1972 bis 2005, also mehr als einem viertel Jahrhundert, war Ernst Schönberger, auch "Käck'n" genannt, für das Gelingen des Neuhauser Gerstensaftes verantwortlich. Heute hat Schönberger in Thomas Witt ("Bahler") einen motivierten würdigen Nachfolger gefunden. Obwohl er nicht mehr die Verantwortung trägt ist er immer noch mit Tat und Rat beim Brauen dabei. Und er weiß genau: Ein strenges Patentrezept für den naturtrüben, würzig vollmundigen Zoigl gibt es nicht. Hier ist Gespür, Erfahrung und eine ganze Portion Können des ehemaligen Braumeisters gefragt. "Man braucht schon etwas Fingerspitzengefühl, damit Mengenverhältnis und Temperatur stimmen."
Ernst Schönberger hat das Braurecht, das auch heute noch an ein Haus mit Grundbesitz geknüpft ist, zusammen mit dem Hof geerbt. Von seinem Vorgänger hat der Käck'n auch die Herstellungsweise des Zoigls gezeigt bekommen, die auch er wiederum an seinen Sohn und anderen Jungbrauern weitergibt.
Die Zoiglwirte - eine süffige Gemeinschaft
Der Kommunbraugenossenschaft Neuhaus gehören 25 Brauberechtigte an, 17 davon üben ihr Braurecht aus, fünf haben eine eigene Zoiglstube. Insgesamt komme er im Jahr auf etwa 35 Sud, erzählt Schönberger, der im Hauptberuf eigentlich Landwirt ist. Das heißt, 35 mal im Jahr wird gebraut.
Früher wurde die Winterbiersud in drei gleichen Teilen an drei Brauberechtigte aufgeteilt. Die Sommersud reichte hingegen nur für zwei Brauer, da während der Erntezeit der Durst der Leute rapide zunahm.
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"Beim Brauen helfen alle zam"
| So entsteht der edle Saft |
Schönberger braut nach dem alten "Drei-Maische-Verfahren": Zwölf Hektoliter von dem besonders weichen und kalkarmen Wasser aus dem Steinwald werden in der Sudpfanne auf 90 Grad erhitzt. Gleichzeitig werden daneben im Maischbottich 18 Hektoliter kaltes Wasser und das Malz miteinander vermengt. Dazu gibt Schönberger dann heißes Wasser aus der Sudpfanne. Danach werden zwölf Hektoliter der erhitzten Maische in die Sudpfanne zurückgeleitet und langsam weiter erwärmt, bis sie schließlich bei 96 Grad eine Stunde lang kochen muss. Hierbei wandelt sich die Stärke in Zucker um. Das Ergebnis dieses Prozesses kommt dann wieder in den Maischbottich zurück.
Danach beginnt die gleiche Prozedur mit 14 Hektolitern, die wiederum etwa eine halbe Stunde gekocht werden. Anschließend muss die Maische rund eine Stunde im Bottich ruhen, und das Malz setzt sich unten ab. Was dann durch das Sieb läuft, ist eigentlich noch kein richtiges Bier, sondern heißt im Fachjargon "Würze". Diese wird dann in der Sudpfanne nochmals mit Wasser übergossen, um das ursprüngliche Volumen, das durch Verdunsten beim Kochen abgenommen hat, wieder herzustellen. Diesen Vorgang nennt man "Ausschwänzen".
Von früh morgens bis in den Nachmittag hinein dauert diese Prozedur; dann erst kommt der Hopfen hinzu. Wiederum muss das Bier nun rund drei Stunden kochen. Anschließend kühlt die Würze auf dem Kühlschiff, einer großen Wanne, aus.
Man sieht also, dass man beim Zoiglbrauen auch eine gesunde Portion Geduld und Ausdauer mitbringen muss, denn nicht die Geschwindigkeit steht hier im Vordergrund, sondern die Qualität.
Am nächsten Tag können sich die Bierbrauer dann ihren Anteil in einem Tankanhänger abholen. Den Hefeanteil, den sie dann ihrem Zoigl beimischen, bleibt jedem selbst überlassen. In großen Bottichen gärt die Hefe dann zehn bis vierzehn Tage lang, dann ist er endlich fertig: Der Neuhauser Zoigl. Ausgeschänkt wird er allerdings erst nach etwa vier bis sechs Wochen.
Auch schon bevor der Gärprozess endgültig abgeschlossen ist, probiert der Braumeister regelmäßig sein Produkt. "Das Bier schmeckt dann ganz süß, ähnlich wie Malzkaffee" berichtet Schönberger. In Neuhaus werden drei verschiedene Zoiglsorten gebraut: der "normale" Zoigl, mit etwa elf bis zwölf Prozent Stammwürze, der Zoiglbock mit über 16 Prozent und dann noch der obergärige Zoigl, dem laut Schönberger die Bierhefe zugesetzt wird.
| Zoigl heißt Gemütlichkeit |
Traditionsgemäß ist das Zoiglbrauen eine kommode, ruhige Angelegenheit. Nach dem Brauen zieht sich der Braumeister mit seinen Kollegen in die winzige Zoiglstube unter dem Brauraum im Kommunbrauhaus zurück. Ein gusseiserner Holzofen in der Ecke, eine rustikale Eckbank und ein Holztisch bieten den Männern ein urgemütliche Atmosphäre. Hier lassen sie sich den Zoigl schmecken - frisch aus der Milchkanne und dazu eine deftige Brotzeit.
| Zoigl - ein ganz besonderer Saft |
Unter eingefleischten Zoiglliebhabern hält sich die Überzeugung, dass im Zoigl noch ganz andere Geheimnisse schlummern. Viele schreiben ihm gar eine medizinische Wirkung zu. Ohne Chemie, ohne Konservierungsstoffe. Schönberger: "Saurer Zoigl soll zum Beispiel gegen Schnupfen wirken." Auch gegen Halsweh hat der Braumeister ein Rezept auf Lager: Man nehme einen Liter Bierwürze, gebe ein Pfund Zucker dazu und koche das ganze gut auf. Das süße Elexier soll Wunder wirken und schmeckt auf alle Fälle besser als jeder Hustensaft, ganz ohne Nebenwirkungen.
"Turbl wachln" (Dampf wedeln) Ein beliebter Scherz der Brauer, um Neulinge "dran zu bringen". Diese müssen dann mit einer Papierfahne den Dampf verteilen, damit der Brauer angeblich besser in die Panne schauen kann. Anfangs geht das noch, aber sobald sich die Papierfahne vollgesaugt hat, geht's schon in die Arme.Wenn sie also wieder einmal durch Neuhaus fahren und der Schlot auf dem Brauhaus raucht, dann ist dies ein untrügliches Zeichen, dass der "Käck'n " wieder am Werk ist und ihn braut: den Neuhauser Zoigl!
| Neuhauser Zoigl - 575-Jahr-Feier |
Neuhauser Marktplatz
Brauhaus - Abschluss der Renovierungen
Bischof Manfred Müller
Gemütliches Beisammensein im Burgkeller